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rekultiviertes Revier
Tagebau Berrenrath

heute

Berrenrather Börde

Der Rekultivierungsbereich des Tagebaus Berrenrath befindet sich wie auch der Tagebau Frechen auf dem Villerücken.  Die tagebauliche Geschichte der Berrenrather Börde reicht bis ins 18. Jahrhundert, als dort aus ersten kleineren Gruben Braunkohle für den gewerblichen Nutzen gefördert wurde. Der Tagebau Berrenrath wurde 1914/15 von der Betriebsgesellschaft Roddergrube aufgeschlossen.
Die Rekultivierung begann Mitte der 1960er-Jahre unter Leitung von Gerhard Olschowy. Es entstand die Kulturlandschaft Berrenrather Börde, welche lange als Musterbeispiel einer landwirtschaftlichen Tagebaurekultivierung galt. Als Füllmaterial diente der Abraum aus den Tagebauen Bergheim und Garzweiler. Mitten in dieser Börde liegen die Weiler Brüggen und Berrenrath, mit einigen umgesiedelten Bauern aus den nördlichen Tieftagebauen.

Das Video beschreibt die Historie der alten Gruben ab 1895 bis zum Ende des Tagebaus 1970.

Es werden die Gruben in ihrer Entwicklung beschrieben mit vielen historischen Fotos und alten Videos. Die Lage der ehemaligen Gruben und wie es heute dort aussieht ist der Kern dieses Videos.

Die Gruben von 1914 bis 1970

1 Grube Fridrich-Wilhelm-Maximilian

Die Namensgebung ist eng mit den Grundeigentümern – dem Grafen von Türnich – und preußischen Investoren verknüpft. Die bergbauliche Erschließung des Areals begann Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Anlage entwickelt sich zum größten Arbeitgeber der Gemeinde Türnich. In Spitzenzeiten sind hier über 300 bis 400 Bergleute und Fabrikarbeiter beschäftigt. 1930 die Brikettpresse wird gestoppt. Die Fabrikgebäude, Förderanlagen und die markanten Schornsteine der Grube Maximilian werden vollständig abgebrochen.

2 Wirtzhütte

Verlängerung des Wolfsbergs (Balkhausen) in die Börde, gleich hinter dem heutigen Ortsrand. Im Jahr 1861 zählte die Wirtzhütte zu den zehn aktiven Braunkohlegruben im Kreis Bergheim. Die Grube Wirtzhütte wurde auf dem Feld „Colonia“ bis zum Jahr 1907 selbstständig betrieben. Das Grubenfeld ging schlussendlich zusammen mit benachbarten Gruben (wie Maximilian, Louise und Hubertus) im großflächigen Tagebau Berrenrath auf.

3 Hubertus

Die Grube Hubertus war der Ursprungsbetrieb eines der bedeutendsten mittelständischen Montanunternehmen im südlichen Rheinischen Braunkohlerevier: der 1908 gegründeten Hubertus Braunkohlen-Aktiengesellschaft.Hauptaktionär war ab 1924 die jüdische Familie Petschek (Aussig), die 1938/39 zum Zwangsverkauf des Unternehmens gedrängt wurde. Nach einer Kohlenstaubexplosion 1962 wurde der Betrieb eingestellt und die Fabrik abgerissen.

4 Grube Louise

Die Grube Louise war eine mittelgroße Braunkohlegrube deren Konzession auf das Jahr 1874 zurückgeht. 1906 Erschließung/Aufschluss des Tagebaus Louise und Beginn des industriellen Braunkohlenabbaus. Bis 1953 kontinuierlicher Braunkohlenabbau im Tagebau Louise. 1953 Auskohlung und Stilllegung des Tagebaus Louise. Die Brikettfabrik Louise produziert – aufgrund der seinerzeit hohen Nachfrage und zur Arbeitsplatzsicherung – über das Ende der eigenen Kohleförderung hinaus weiter, versorgt durch einen Kohlelieferungsvertrag mit der Roddergrube AG. 1956 endgültige Einstellung der Brikettproduktion.

5 Tagebau Berrenrath

Aufschlussjahr: 1914/15, durch die Betriebsgesellschaft Roddergrube. Das Feld schloss sich im Norden an das ausgedehnte Konzessionsgelände der Grube Vereinigte Ville an (5.1), wo bereits seit 1901 Braunkohle abgebaut wurde. Die Flözmächtigkeit: betrug 38–40 Meter. Zerstörung durch Luftangriff 1944.

Nach dem Krieg war der Kohlebedarf hoch und es wurde mit Nachdruck daran gearbeitet, die Förderung zu steigern. Der Tagebau wurde nach Südwesten erweitert (5.2). Aus dem Tagebau Berrenrath wurde ein moderner Großtagebau mit Großgeräten. Jedes Jahr wurden neue Förderrekorde aufgestellt. Der Tagebau folgte dabei dem Kohleflöz in südliche Richtung.

 

6 Berrenrath West

Die 1930er-Jahre (Ausbau zum Tagebau Berrenrath-West): Die Roddergrube AG übernimmt das benachbarte Feld der Grube Friedrich Maximilian. Aufgrund des steigenden Bedarfs (unter anderem zur Belieferung des Hydrierwerks Wesseling zur Treibstoff-Synthese) baut das Unternehmen das Feld zu einem modernen, eigenständigen Tagebaubetrieb aus, der fortan die Bezeichnung Tagebau Berrenrath-West trägt.

1956 (Das Zusammenwachsen zum Großtagebau): Durch das kontinuierliche Fortschreiten der Baggerarbeiten in beiden Abbaufeldern stoßen die Gruben schließlich aufeinander. Im Jahr 1956 wuchsen der Tagebau Berrenrath und der Tagebau Berrenrath-West offiziell zu einem einzigen Großtagebau zusammen.

7 Großtagebau Berrenrath-Türnich

 Die beiden Tagebaue Berrenrath und Berrenrath-West sind zu einem einzigen, zusammenhängenden Großtagebau zusammengewachsen.

Ab diesem Zeitpunkt wird in der Literatur meist einheitlich vom "Tagebau Berrenrath" gesprochen, gelegentlich auch (seltener) als "Tagebau Türnich" bezeichnet – nach der benachbarten Gemeinde Kerpen-Türnich, an die das Grubenfeld im Westen grenzte. Endgültige Stilllegung 1970. Ab Mitte der 1960er-Jahre beginnt bereits die Rekultivierung unter der fachlichen Leitung von Professor Gerhard Olschowy. Abschluss der Maßnahmen: 1978.

Die Berrenrather Börde gilt bis heute als Musterbeispiel einer landwirtschaftlichen Tagebaurekultivierung und als "erste großflächige landwirtschaftliche Rekultivierung im Rheinischen Revier".

 

Forstliche Rekultivierung: rund 235 ha
Landwirtschaftliche Rekultivierung: 821 ha

Ursprünglich sollte das Gebiet wieder bewaldet, die Restlöcher zu Seen verfüllt werden. Zu Beginn der Planungen kam jedoch ein erheblicher Bedarf an landwirtschaftlichen Flächen auf. Ursache waren umzusiedelnde Landwirte aus den nördlichen Teilen des Reviers, die neue Äcker benötigten. Die Rohkippe wurde daher mit Löß überzogen und so landwirtschaftlich erschlossen. Die ursprünglich 389 Hektar (Stand: 1893) große landwirtschaftliche Nutzfläche wurde so auf 821 Hektar vergrößert. Gleichzeitig ging die forstwirtschaftliche Fläche von 668 Hektar auf 235 Hektar zurück. Entlang der landwirtschaftlich genutzten Flächen pflanzten Arbeiter linear verlaufende Gehölzbänder, die überwiegend als Windschutzhecke ausgeführt wurden. Die Rekultivierung wurde im Jahr 1978 erfolgreich abgeschlossen. Die Fläche liegt seit dieser Zeit rund fünf Meter unterhalb des ursprünglichen Niveaus. Im Norden legten die Landschaftsarchitekten eine künstliche Erhebung an. Sie wird als Wilhelmshöhe bezeichnet und ist mit 154,9 Metern über NHN die höchste Erhebung der Stadt Hürth. Die Berrenrather Börde wird von zwei Weilern, Berrenrath und Brüggen, bewirtschaftet. In den 1990er Jahren kamen auf Grund von Ausgleichsmaßnahmen weitere Gehölzbestände hinzu. Es handelt sich damit um das erste großflächig, einheitlich geplante landwirtschaftliche Rekultivierungsgebiet des Rheinischen Braunkohlenreviers.

2015 wurde bekannt, dass Wasser aus dem ehemaligen Tagebau mit Schwermetallen und Schwefel belastet ist. Die Konzentration war teilweise so hoch, dass Bäume, die in einem Abflussgraben standen, eingingen. Infolgedessen entstand eine Diskussion darüber, wer künftig für die Reinigung eines Rückhaltebeckens aufkommen muss. Zwar wurde bei der Errichtung des Gebietes festgelegt, dass RWE Power für die Kosten aufkommen sollte, doch war bislang offen, ob der Betreiber hierfür Ewigkeitskosten in seine Rückstellungen aufgenommen hatte.

Zum Windpark Wilhemshöhe

2006 wies die Stadt Hürth in ihrem Flächennutzungsplan die Berrenrather Börde als Konzentrationszone für Windkraftanlagen aus, aber zehn Jahre später gingen drei Windkraftanlagen von General Electric mit einer Leistung von jeweils 2,85 MW und einer Gesamthöhe von 150m ans Netz. Was die Hürther Stadtväter nicht beachtet hatten, die Berrenrather Börde liegt genau in der Einflugschneise des Fliegerhorstes Nörvenenich. Hier gelten Bauhöhenbeschränkungen und diese erlauben nur relativ unwirtschaftliche Windräder.  Die Firma Energiekontor aus Bremen nahm den Windpark 2016 in Betrieb. Der Jahresertrag liegt bei 16 Mio. kWh.

Die Wilhelmshöhe liegt am Nordwestrand der Berrenrather Börde. Sie ist mit knapp 155 Metern die höchste Erhebung von der Stadt Hürth. Es ist quasi ein kleiner Hügel auf dem 138 m hohen Plato der Börde.

Nun doch noch ein neuer Windpark
in der Einflugschneise Nörvenich
Inbetriebnahme 2025

Aufgrund der Bauhöhenbeschränkung für Windenergieanlagen stellte dieses Projekt eine sehr schwierige wirtschaftliche Herausforderung dar. Erlaubt waren lediglich eine Nabenhöhe von 78 m bei einer Gesamthöhe von 119 m. Ermöglicht wurde das Projekt durch die Firma „SL Naturenergie”. Für SL ist die Energiewende das wichtigste gesellschaftliche Projekt unserer Zeit. Der Profit steht somit nicht an erster Stelle. Dabei wäre alles so einfach. Der Fliegerhorst ist sieben Kilometer entfernt. Die Mindestflughöhe beträgt hier 300 m. Der Gleitwinkel liegt bei 2,14°. Gerade Bundeswehrpiloten sollten für den Ernstfall aber immer einen steileren Anflugwinkel üben. Bei einem Anflugwinkel von 4,28° würden sich die Flugzeuge in einer Höhe von 600 m über den Windrädern befinden. An dieser exponierten Stelle könnte man die höchsten und ertragreichsten Windräder der Welt errichten. Leider ist das im bürokratischen Deutschland nicht möglich.