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Nach dem Ende des Abbaus wurden die riesigen Tagebaurestlöcher rekultiviert und füllten sich mit Grundwasser. So entstand aus einer Bergbaulandschaft die Hürther Seenplatte – ein rund 50 km² großes, waldreiches Naherholungsgebiet mit den bekannten Hürther Seen wie der Otto-Maigler-See, der Bleibtreusee und der Hürther Waldsee (Theresiasee) gehören. Auch der Villesee, der Knapsacker See und der Nordfeldweiher gehören dazu.
Das Hürther Gebiet liegt auf dem sogenannten Villerücken (auch Vorgebirge genannt), einem etwa 60 m hohen, von Bonn nach Nordwesten Richtung Grevenbroich verlaufenden Höhenzug. Durch die geologische Hebung dieser Zone liegen die Braunkohleflöze hier besonders oberflächennah – ein Grund, warum der industrielle Abbau im Rheinischen Revier gerade hier begann. An den Hängen der Flüsse trat die Kohle alleine zu Tage.
Erste Spuren einer Kohlegewinnung reichen bis in die frühe Neuzeit zurück. Auf einer Karte von 1750 ist bei Knapsack bereits eine offene, tagebauartige Grube („Kentenischer Tourfgrub“) verzeichnet. Als erster eigentlicher Tagebau im gesamten Rheinischen Revier gilt die 1751 in der Gleueler Gemarkung vom Landwirt Hermann Dümgen angelegte Grube „Gotteshülfe“.
1812, unter französischer Herrschaft, wurden im Zuge des Code civil alle Gruben steuerlich erfasst. Damals bestanden im Hürther Raum mehrere kleine Betriebe von 0,1 bis 0,6 km² Fläche mit 3 bis 18 Tagelöhnern, etwa die Gruben von Wilhelm Fischenich (Hürth), Johann Meul (Berrenrath) oder der Familie Schilling (Gleuel). Die Kohle wurde in dieser Zeit noch handwerklich als „Klütten“ – in Formen gepresste und an der Luft getrocknete Kohlestücke – gewonnen.
Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 begann die industrielle Förderung: 1877 gründete Friedrich Eduard Behrens die Gewerkschaft Roddergrube in Brühl, 1878 folgte die Gewerkschaft Brühl, 1892 das Gruhlwerk von Hermann und Carl Gruhl. Dampfbetriebene Entwässerungspumpen und maschinelle Brikettpressen machten den Abbau erstmals großindustriell wettbewerbsfähig.
1885 errichteten Ernst und Moritz Ribbert in Kendenich, an der Grenze zu Hermülheim, eine Steinzeugröhrenfabrik, die sie 1887 um die erste Brikettfabrik im Hürther Gebiet ergänzten. Sie wurde zunächst aus den Gruben Kendenich und Franziska I versorgt, später über eine Seilbahn aus der Grube Berrenrath; sie bestand bis zu ihrer Zerstörung durch einen Luftangriff am 2. November 1944.
Um 1895 kamen weitere Gruben hinzu, darunter Engelbert östlich von Berrenrath (bis ca. 1928) und Theresia, auf deren südöstlichem Gelände 1931 die Sportanlagen der Theresienhöhe entstanden. 1901 begann der Abbau im großen Grubenfeld Vereinigte Ville, ab 1906 bestanden Lieferverträge mit dem Kalkstickstoff-Werk in Knapsack sowie mit dem 1912–1914 errichteten Großkraftwerk Goldenberg des RWE.
Die Rekultivierung des Hürther Reviers gilt als eines der ältesten und am längsten laufenden Beispiele für die Wiedernutzbarmachung von Bergbaufolgelandschaften in Deutschland.
Während der Otto-Maigler-See und der Bleibtreusee als Freizeit- und Badeseen intensiv genutzt werden, dienen andere Gewässer wie der Hürther Waldsee vorrangig dem Arten- und Naturschutz. In den ehemaligen Grubenfeldern haben sich zudem seltene Pflanzen- und Tiergemeinschaften angesiedelt, etwa ausgedehnte Bestände der Armleuchteralgen sowie zahlreiche Wasservogelarten wie Haubentaucher, Eisvögel, Reiherenten und Schellenten.
Der Bleibtreusee liegt zwischen Brühl-Heide und Hürth und ist mit rund 74–75 Hektar der größte See der gesamten Ville-Seen-Platte. Er entstand 1973 im Bereich des ehemaligen, 1874 von Hermann Bleibtreu (1821–1881) erschlossenen Grubenfeldes, aus dem später das Gruhlwerk hervorging. Bleibtreu gilt als einer der Pioniere der Braunkohleindustrie im Brühler Raum. Der See ist einer der wenigen Ville-Seen, an denen offiziell gebadet werden darf, und wird zudem zum Windsurfen, Wasserskifahren, Segeln, Angeln und Tauchen genutzt.
Das Naherholungsgebiet Hürtherberg entstand aus der gleichnamigen ehemaligen Braunkohlegrube am östlichen Rand des Hürther Stadtteils Alt-Hürth. Mit einer Fläche von rund 46,5 Hektar zählt es zu den kleineren rekultivierten Arealen des Südreviers und ist heute ein bewaldetes Erholungsgebiet ohne größeren offenen Wasserkörper im Zentrum des einstigen Tagebaus.
Der Hürther Waldsee, auch Theresiasee genannt, liegt im Rekultivierungsgebiet des von 1965 bis Anfang der 1980er Jahre ausgekohlten Grubenfeldes Theresia, unmittelbar benachbart zum deutlich größeren Otto-Maigler-See. Er entstand erst 1988 und zählt damit zu den jüngsten Seen der Ville-Seen-Platte. Anders als der Otto-Maigler-See wurde er von Beginn an als reiner Naturschutzsee angelegt und ist heute nach der europäischen FFH-Richtlinie als Schutzgebiet ausgewiesen; große Teile sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.
Info`s zu den Hauptseen
Der Bleibtreusee gehört zu den wenigen Villeseen, in denen offiziell gebadet werden darf. Am Nordufer besteht seit Juli 2007 eine gut frequentierte Wasserskianlage mit angeschlossener Gastronomie direkt neben dem Sandbadestrand; auf freigegebenen Flächen sind zudem Windsurfen und kleine Segeljollen erlaubt. Der See ist außerdem ein beliebtes Tauchrevier (eigener Taucherparkplatz, Sichtweiten meist 3–4 m). Ein rund 5 km langer Rundweg durch Mischwald (Pappeln, Kiefern, Roteichen, Erlen, Buchen, Birken) umrundet den See und wird auch von Spaziergängern und Hundehaltern genutzt. Zu beobachten sind unter anderem Tafel-, Reiher- und Krickenten, Zwergsäger, Schellenten, Haubentaucher, Wildgänse und Eisvögel.
Anders als viele andere Villeseen wurde er dabei bewusst als Regatta- und Freizeitsee geplant und angelegt – unter anderem so, dass sechs Regattabahnen nebeneinander Platz finden. Benannt ist der See nach Otto Maigler, dem Direktor der Roddergrube AG, der sich als Vorstandsmitglied von Rheinbraun für Wiederaufforstung und Rekultivierung des Reviers einsetzte und maßgeblich an der Umsiedlung des Ortsteils Berrenrath beteiligt war. Der Hürther Gemeinderat beschloss die Benennung am 24. Juli 1967, kurz nach Maiglers Tod am 20. Juni 1967.
Der Otto-Maigler-See ist der touristisch bedeutendste der Villeseen und einer von fünf offiziell zugelassenen Badeseen im Rhein-Erft-Kreis; die Wasserqualität wird in der Badesaison amtlich überwacht. Am See liegen ein Strandbad mit Gastronomie, ein großer, 2006 eröffneter Beachclub sowie ein rund 4,5 km langer, ausgeschilderter Rundwanderweg. Genutzt wird der See zudem zum Segeln, Windsurfen, Kiten, Rudern und Angeln; mehrere Vereine sind hier aktiv. Bekanntheit erlangte der See 2018, als Mitarbeitende von DHL Paket dort den Guinness-Weltrekord für die meisten Menschen auf einem Floß aufstellten.
Der Teich entstand um 1955 und wird durch Grund- und Oberflächenwasser gespeist. Er ist von einer breiten Uferzone gesäumt; ein Überlauf am nordöstlichen Ufer reguliert den Wasserstand. Namensgebend war das ehemalige Grubenfeld Gotteshülfe.
Rund um den Gotteshülfeteich verlaufen mehrere Wanderwege, erreichbar unter anderem vom Wanderparkplatz an der Wendelinusstraße oder von der Burg Schallmauer am südlichen Ufer aus. Das Gewässer wird von der Angler-Interessengemeinschaft Burg Schallmauer e. V. als Angelgewässer bewirtschaftet und gilt als fischreich (u. a. Barsch, Hecht, Karpfen, Wels, Zander); Gästekarten werden in der Regel nicht ausgegeben. Ökologisch bietet der Teich mit seinen umgebenden Wäldern Lebensraum für Wasserralle, Teichralle, Blässhuhn, Zwergtaucher und weitere Vogelarten; 1997 gelang hier ein Zufallsfund der gefährdeten Waldschnepfe. Im Juli 2021 sorgte Starkregen für einen Straßeneinbruch am Ablauf des Teichs in der Wendelinusstraße, der von den Stadtwerken Hürth behoben wurde.
Anders als viele andere Seen der Region wurde der Waldsee jedoch bewusst mit Biotopstrukturen geplant und angelegt – mit Unterwasserdamm, zwei Inseln, Flachwasserzonen und Tümpeln. Ursprünglich war sogar vorgesehen, den Wasserspiegel während der Vogelzugzeit gezielt abzusenken, um zusätzliche Schlammflächen zu schaffen; wegen des guten Röhrichtwachstums entschied man sich später aber für einen konstanten Wasserstand.
Im Gegensatz zum stark frequentierten, benachbarten Otto-Maigler-See ist der Hürther Waldsee als Naturschutzgebiet ausgewiesen und nur an wenigen Stellen im Norden über einen Waldweg erreichbar. Er dient vor allem der Wiederherstellung und dem Schutz von Lebensräumen wildlebender Tier- und Pflanzenarten und ist ein wichtiges Rückzugsgebiet für Wasservögel. Im umgebenden jungen Mischwald aus Buchen und Erlen kommen seltene Arten wie die Orchidee Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) vor. Eine touristische oder sportliche Nutzung (Baden, Bootfahren) ist hier – anders als am Otto-Maigler-See – nicht vorgesehen.
Am 25. Mai 1906 begann die Firma Peter Werhahn mit dem Aufschluss einer Braunkohlengrube am Hürther Berg und gründete dazu die Gewerkschaft Hürtherberg. Ab 1919 leitete Adolf Dasbach das Werk – er gilt als Pionier der Rekultivierung, da er lange vor jeder gesetzlichen Verpflichtung mit der Aufforstung der ausgekohlten Flächen begann und Mutterboden aufschütten ließ, um Gärten und Ackerland zu schaffen. Auf dem Gelände stand außerdem bis in die 1940er Jahre die Brikettfabrik „Gruhlwerk II“, die über eine Kettenbahn mit Kohle versorgt wurde; sie wurde durch einen Bombenangriff zerstört und in den 1960er Jahren endgültig abgerissen. Der nach Dasbach benannte Weiher bildete sich anschließend durch Oberflächen- und Grundwasser im rekultivierten Restloch.
Das umliegende Gelände ist seit Ende der 1970er Jahre als „Naherholungsgebiet Hürtherberg“ ausgewiesen, mit gepflegtem Wanderwegenetz (u. a. dem Adolf-Dasbach-Weg) durch Mischwald; Ausbau und Aufforstung erfolgten vor allem 1980–1982. In der Nähe liegt seit 1949 eine Jugendherberge (Naturfreundehaus). Der Weiher selbst ist als Biotop besonders geschützt. Allerdings ist sein Wasserspiegel in den vergangenen Jahren – bedingt durch sinkende Grundwasserstände und den Klimawandel – deutlich zurückgegangen; Naturschutzverbände wie der NABU Rhein-Erft haben sich seit 2021/2022 mit möglichen Gegenmaßnahmen befasst.
Nach der Auskohlung des Nordfeldes bildete sich 1968 durch aufsteigendes Grundwasser der heutige Weiher. Er liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum größeren Bleibtreusee, mit dem er über einen künstlichen Ablauf hydrologisch verbunden ist.
Das Gelände um den Nordfeldweiher wurde zunächst als Landschaftsschutzgebiet gesichert, bevor es 1990 formal zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. Anders als der benachbarte Bleibtreusee steht er damit ganz im Zeichen des Arten- und Biotopschutzes; eine Freizeitnutzung wie Baden oder Wassersport findet hier nicht statt. Das Gebiet ist Teil des dichten Naturschutz-Verbunds zwischen Knapsack und der Luxemburger Straße innerhalb der Villeseen.
Belastbare Einzeldaten zu Entstehungsjahr, Fläche und Tiefe sind für dieses Gewässer öffentlich kaum dokumentiert; er wird in Planungsunterlagen der Stadt Hürth (Grün- und Freiraumkonzept) gemeinsam mit dem benachbarten Bleibtreusee als zusammenhängender Landschaftsraum geführt.
Der Margaretenweiher liegt an einem beliebten Wanderweg, der von Kierberg über den Gruhlsee und den Margaretenweiher zum Bleibtreusee führt. Wanderbeschreibungen loben den ruhigen, waldreichen Uferbereich („Bruchwald“-Charakter) und die Distanz zum Verkehrslärm der nahen B 265. Eine organisierte Freizeitnutzung wie Baden oder Wassersport ist – anders als am Bleibtreusee – nicht bekannt; der Weiher dient primär der landschaftsgebundenen Erholung (Wandern, Naturerleben) und ist Teil des übergeordneten Grünzugkonzepts der Stadt Hürth.
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